16. Juni 2021

Neue „Wandler“ und eine Stromtrasse unter dem Main

Modernisierung des Umspannwerks Seligenstadt / EVO investiert mehr als sieben Millionen Euro / Für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung

SELIGENSTADT, 16. Juni 2021. Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) wird in den kommenden zwei Jahren ihr Umspannwerk an der Steinheimer Straße in Seligenstadt umfassend modernisieren. Zudem müssen zwei neue Stromleitungen von Dettingen nach Seligenstadt gebaut werden; unter anderem soll dazu eine Stromtrasse von Dettingen unter dem Main nach Hainburg und Seligenstadt verlegt werden. Nach Worten des EVO-Vorstandsvorsitzenden Dr. Christoph Meier investiert sein Unternehmen mehr als sieben Millionen Euro in das Vorhaben. Vom Umspannwerk Seligenstadt aus werden nicht nur Seligenstadt selbst, sondern auch die Nachbarorte Hainburg und Mainhausen mit elektrischer Energie versorgt.

Die anstehenden Arbeiten sind Teil des Netzausbaus der EVO für Stadt und Kreis Offenbach. Weil die Nachfrage nach Energie seit Jahren kontinuierlich wächst, muss das gesamte Hochspannungsnetz in der boomenden Region für insgesamt mehr als 100 Millionen Euro ausgebaut werden. In den vergangenen fünf Jahren sind mehr als 30.000 Einwohner in Stadt und Kreis Offenbach hinzugekommen. Nach Worten des Seligenstädter Bürgermeisters Dr. Daniell Bastian freut sich auch Seligenstadt über einen stetigen Bevölkerungszuwachs, darunter seien viele junge Familien.  „Damit wächst auch der Energiebedarf. Eine sichere Stromversorgung ist unerlässlich, am besten natürlich mit sauberem Ökostrom. Ich freue mich, dass wir mit der EVO einen verlässlichen Partner haben, der jetzt das Umspannwerk Seligenstadt modernisiert und ausbaut“, kommentierte Dr. Bastian den Auftakt der Bauarbeiten.

Wie Hainburgs Bürgermeister Alexander Böhn deutlich machte, spielt für die erhöhte Nachfrage nach Energie auch der stetig wachsende Bedarf der Elektromobilität eine Rolle. Hinzu komme die Einspeisung der vielen dezentralen Photovoltaik-Anlagen in das allgemeine Netz und die Digitalisierung des Alltags und der Arbeitswelt. „All das lässt sich mit dem vorhandenen Stromnetz nicht mehr bewältigen, sagte Bürgermeister Böhn weiter. „Unsere Region wächst erfreulich – in Wirtschaft und Bevölkerung. Deshalb muss jetzt die Infrastruktur mitwachsen. Das eine geht nicht ohne das andere. Nur so können wir uns auch in Zukunft auf ein sicheres Stromnetz verlassen.“ Er begrüßte es, dass der Ausbau laut EVO im Wesentlichen entlang der bestehenden Trassen erfolgt: „Das ist gut für uns – und gut für die Natur.“

Für Mainhausens Bürgermeister Frank Simon ist ein starker Energieversorger notwendig, der sich mit seinem Standort identifiziert, die Leistungsfähigkeit der Stromnetze genau kennt und bereit ist, immer wieder Millionensummen zu investieren, um die Versorgungssicherheit der Einwohnerschaft bei steigendem Bedarf zu gewährleisten. „Die EVO stellt jeden Tag unter Beweis, dass sie ihren Job beherrscht und ein guter Partner ist“, urteilte Simon. Dabei verwies er auf die aktuelle Statistik bei den Stromausfallzeiten. Während nach den jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2019 der Strom pro Kunde in ganz Deutschland für rund 12,20 Minuten ausgefallen ist, beträgt dieser Wert im gesamten EVO-Netz 8,6 Minuten. In Mainhausen lag dieser Wert sogar bei nur 1,9 Minuten im Jahr. Wie Simon weiter feststellte: „Da sind sehr gute Werte. Die Arbeit der EVO kann sich wirklich sehen lassen. Ich unterstütze das Vorhaben und wünsche allen Beteiligten das nötige Quäntchen Glück und gutes Gelingen.“

Allein in die Modernisierung des Seligenstädter Umspannwerks sollen rund 3,5 Millionen Euro investiert werden. Dort werden demnächst die technischen Voraussetzungen für den Anschluss von weiteren Leitungen und den Bau von neuen Transformatoren geschaffen. Im Verlauf des nächsten Jahres installieren die Fachleute dann unter anderem sechs zusätzliche Mess-Transformatoren, die im Fachjargon „Wandler“ genannt werden. Diese Geräte sind rund drei Meter hoch und jeweils 350 Kilogramm schwer, wie EVO-Technikvorstand Weiß weiter berichtete. Dazu kommen große Schaltanlagen sowie umfangreiche Steuerungs- und Schutztechnik. „Insgesamt wird das Umspannwerk nicht nur leistungsfähiger, sondern auch digitaler und sicherer“, hob Weiß weiter hervor. Durch die die neuen Anlagen wird die Fläche des Umspannwerks um etwa ein Drittel erweitert.

Zum Projekt zählt auch die Verlegung von Hochspannungskabeln entlang der bereits bestehenden Trasse vom Umspannwerk in Dettingen unter dem Main hindurch bis zum Seligenstädter Umspannwerk. Den Plänen zufolge sollen zwei neue Leitungen mit einem Kabeldurchmesser von jeweils rund 40 Zentimetern eingerichtet werden. Spektakulär dürfte die sogenannte Unterdükerung des Mains werden: Ein riesiger Bohrer gräbt sich dabei den Plänen zufolge auf einer Länge von 230 Metern etwa zehn Meter unter der Mainsohle von der hessischen zur bayerischen Mainseite durch. In dem etwa 70 bis 90 Zentimeter großen Bohrtunnel finden anschließend die Leitungen Platz.

Auf hessischer Seite folgt die Trasse dem Radweg vom Hainburger Stadtteil Klein-Krotzenburg nach Seligenstadt und biegt dann auf Höhe der Steinheimer Straße (Firma Heizöl Sattler) ab zum Umspannwerk. Die 1.400 Meter lange Trasse soll nach Worten des EVO-Technikvorstands Weiß komplett im sogenannten Bohrspülverfahren – und damit unterirdisch – verlegt werden. Dadurch werden die Eingriffe in die Natur minimiert. Zugleich bleibt der beliebte Radweg im Wesentlichen intakt, weil er nicht auf ganzer Länge, sondern an nur drei Stellen aufgegraben wird. Diese Bauarbeiten sind ebenfalls für das Jahr 2022 vorgesehen. Aktuell ist noch nicht entschieden, ob der Radweg in dieser Zeit gesperrt werden muss – oder ob die Radler entlang der drei gesicherten Baugruben passieren können. Der Bau der Trasse inklusive der Unterdükerung des Mains wird laut Günther Weiß auf voraussichtlich rund vier Millionen Euro veranschlagt.

Das Hochspannungsnetz der EVO ist das Rückgrat der Stromversorgung in Stadt und Kreis Offenbach; darüber werden nahezu 500.000 Menschen sowie 36.000 Unternehmen mit Energie versorgt. Jede Kommune ist über zumindest zwei Leitungen an dieses Netz angebunden. Insgesamt sind neben Seligenstadt vier weitere große Bauprojekte vorgesehen; an den Trassen sind Arbeiten auf einer Länge von rund 120 Kilometern geplant. Das Umspannwerk Seligenstadt hat seinen Ursprung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals entstand eine kleinere Schaltstation, die schon Ende der fünfziger Jahre erstmals ausgebaut wurde. Heute ist das Umspannwerk ein Knotenpunkt für die Stromversorgung im Ostkreis. Die Anlage verfügt aktuell über 2 Transformatoren mit einer Leistung von jeweils 40 MVA sowie über sieben sogenannte Schaltfelder in der Hochspannung und 26 Schaltfelder in der Mittelspannung.

 

 

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